COP 21 – my 2 cents

The really inconvenient truth is that it’s not about carbon—it’s about capitalism. – N. Klein

Man könnte es auch frei nach E. Swyngedouw, den ich einmal in einem Vortrag erleben durfte, formulieren: “It’s not about climate change. It’s about system change.”

Morgen, am 11.12.2015 wird die Klima Konferenz in Paris zu Ende gehen. Was wurde dort erreicht? Was sollte dort erreicht werden? Ich werde an dieser Stelle beide Fragen beantworten, aus meiner ganz eigenen Perspektive natürlich (Warum? Weil ich als Individuum niemals absolut objektiv sein kann, und diesen Anspruch auch gar nicht stellen möchte).

Zunächst die zweite Frage: Was sollte in Paris erreicht werden? Im Endeffekt das, was bei jedem Treffen von Politikern zum Thema Klima erreicht werden soll, was wissenschaftlicher und inzwischen mehr oder weniger auch politischer Konsens ist: Die Einhaltung des sogenannten “2 Degrees Guard Rail”, also der Versuch, unsere Treibhausgasemissionen so weit zu reduzieren, dass der Temperaturanstieg im Vergleich zum prä-industriellen Zeitalter 2 Grad Celsius nicht überschreitet, um einen verstärkten Klimawandel (eben anthropogen verstärkt) zu verhindern.

ipcc warming senarios

Hier im Bild die Szenarien: Mit derzeitigem Stand ist ein Erreichen der 2°C Marke nicht zu schaffen.

Über dieser Grenze ist es sehr wahrscheinlich, dass bestimmte “tipping points” erreicht werden, durch die der Klimawandel und seine für den Menschen negativen Folgen noch extremer werden (beispielsweise durch das Tauen der Eiskappe über Grönland o.ä.).

tipping-points

Bestärkt durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die Abholzung (und Brandrodung) von Wäldern, Trockenlegung von Feuchtgebieten (nicht das, was ihr jetzt denkt! Schweine!!!) und so weiter ist der Gehalt von Treibhausgasen seit der industriellen Revolution angestiegen, diesen Prozess gilt es abzuschwächen beziehungsweise ab einem gewissen Punkt, ca. 2020-2030 (also der Emissions Peak) wieder weniger Emissionen auszustoßen.

keeling curve

Hier ein kleiner Einschub aus der Perspektive der Resource Economics: Es geht bei der Emissionsreduktion zwar vordergründig “nur” um den Ausstoß von schädlichen Gasen, also “Waste”. Gleichzeitig ist natürlich auch eine sinnvollere (“nachhaltigere”) Nutzung der vorhandenen Ressourcen von Nöten, um das Ökosystem Erde als Resource Pool und Waste Sink weiter zu erhalten.

Nun zur ersten Frage: Was wurde erreicht? Nun, hoffentlich noch bis morgen ein verbindliches Abkommen der Staaten, die Emissionen tatsächlich zu reduzieren, Sanktionen inklusive, denn andernfalls wurde GAR NICHTS erreicht.

Warum? Nun, weil “Pledges”, also freiwillige Verpflichtungen, die es bereits bei anderen Klimakonferenzen gab, oder das Kyoto Protokoll, dass ohne Sanktionen auskommen musste, nicht ausreichen werden (siehe erstes Bild). Denn die Emissionen werden weiter steigen. Warum? Weil wir zwar effizienter werden durch den technologischen Fortschritt, aber dennoch nicht zurückhaltender beim Verbrauch von Ressourcen wie Energie (die ja irgendwie, hauptsächlich durch die Verbrennung von nicht erneuerbaren Energieträgern, erzeugt werden muss), oder Land (z.B für den Futtermittelanbau, um die gestiegene Fleischnachfrage zu bedienen). Bevölkerungswachstum ist ein Indikator der zeigt, dass wir das anscheinend nicht hinbekommen: Viele Behaupten, wir bräuchten eine effektive Geburtenkontrolle, damit die Bevölkerung langfristig sinkt (also global gesehen), somit wird der Mensch auch weniger Ressourcen verbrauchen bzw. CO2 emittieren. Aufgrund der negativen Korrelation von Geburten bekommen Familien in reichen Staaten aber ohnehin immer weniger Kinder (z.B in Deutschland), also müsste bspw. die Treibhausgasemissionen ja langfristig zurückgehen, wenn durch Wirtschaftswachstum der Wohlstand weltweit steigt….

gdp-birth

Und tatsächlich (s. Bild), mit ein paar Ausnahmen (Angola, Saudi Arabien, Israel, USA) ist ein starker Zusammenhang zwischen BIP und Geburtenraten festzustellen, dies wird auch als demographic-economic paradox bezeichnet.

Hinzu kommt, dass man annimmt, dass in reichen Industrienationen ohnehin ab einem bestimmten Verhältnis von BIP zu Emissionen diese zurückgehen (die sogenannte environmental Kuznet’s curve).

Bildschirmfoto 2015-12-10 um 10.58.30

Dann gibts es noch die generelle Vision des sogenannten “Decoupling”, also dass man Wirtschaftswachstum von Treibhausgasen und Ressourcenverbrauch trennen bzw. entkoppeln kann, sozusagen ein “grünes Wachstum”, was wiederum mit dieser EKC (siehe Bild) zusammenhängt.

THEORETISCH müsste also auch ohne formelle Verpflichtungen eine relative und absolute Reduktion von Emissionen (bzw. Ressourcen Verbrauch) möglich sein. PRAKTISCH hingegen ist das falsch, und zwar aus zwei Gründen: 1. Ist Decoupling ein Mythos und 2. Externalisieren wir reichen Industrienationen die negativen Folgen unseres Konsums.

Ad 1.:

While the OECD has claimed that the richest countries have halved the intensity with which they use resources, the new analysis suggests that in the EU, the US, Japan and the other rich nations, there have been “no improvements in resource productivity at all”. This is astonishing news. It appears to makes a nonsense of everything we have been told about the trajectory of our environmental impacts. […] Governments urge us both to consume more and to conserve more. We must extract more fossil fuel from the ground, but burn less of it. We should reduce, reuse and recycle the stuff that enters our homes, and at the same time increase, discard and replace it. How else can the consumer economy grow? We should eat less meat to protect the living planet, and eat more meat to boost the farming industry. These policies are irreconcilable. The new analyses suggest that economic growth is the problem, regardless of whether the word sustainable is bolted to the front of it. – G. Monbiot

http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/nov/24/consume-conserve-economic-growth-sustainability

(ein anderer lesenswerter Blog Beitrag dazu: https://zielonygrzyb.wordpress.com/2013/05/15/the-myth-of-decoupling/ )

Die Entkopplung von Wachstum (dass ja im globalen sozial-ökonomischen System “Kapitalismus” DAS Paradigma schlechthin ist) und der Zerstörung unseres  globalen Ökosystems scheint also nicht zu funktionieren, nicht jetzt, und wahrscheinlich auch nicht bis 2030. Klar, technologischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel (z.B von der Industriegesellschaft über die Dienstleistungsgesellschaft hin zur Digitalgesellschaft) wirken sich auch auf den Ressourcenverbrauch aus, doch dieser Wandel der letzten 50 Jahre war zu langwierig und hat bisher nur einen Teil der Staaten erreicht. Solange ein tatsächliches Decoupling nicht machbar ist, so lange ist auch das Wachstumsparadigma des Kapitalismus innerhalb des geschlossenen Ökosystems Erde (die einzige zusätzliche Energie, die unser System erreicht, ist die Sonnenstrahlung, nur leider können wir davon weniger als 1% nutzen, zumindest nach heutigem Stand der Technik) mit einer Geisterfahrt auf Acid zu vergleichen: Irgendwann geht uns entweder der Sprit (wenn uns die Ressourcen ausgehen oder die Erde keine Abfallstoffe wie CO2 mehr effektiv puffern kann) aus, oder wir brausen in unserer Highness gegen den nächsten Baum (sozialer Verfall aufgrund des Kampfes um die letzten verbleibenden Ressourcen).

Dazu passend ad 2.: In der Tat scheinen wir Industrienationen die Emissionen in den letzten Jahren etwas reduziert zu haben (Bild)

Bildschirmfoto 2015-12-10 um 10.52.09

Dennoch ist das Ziel für 2050, ja schon für 2020 lächerlich hoch gesteckt und unter derzeitigen Bedingungen NIEMALS erreichbar. Hinzu kommt, dass man bei den Berechnungen des CO2 Ausstoßes außen vor lässt, was wir so konsumieren – denn diese Produkte werden oft anderswo produziert, was wiederum mit Ressourcenverbrauch und Emissionen zusammenhängt. Wenn jetzt also zB China viel mehr produziert und daher auch mehr emittiert etc. dann liegt das nicht nur an der dortigen steigenden Nachfrage, sondern auch daran, dass viel für den europäischen Markt produziert wird. Im Bild sieht man, dass die EU viele Emissionen eingespart hat (links) bezüglich der inländischen Emissionen (territorial emission changes), aber dennoch insgesamt für mehr Emissionen verantwortlich ist aufgrund des Konsums von Gütern, die extern hergestellt wurden. Somit externalisieren wir unsere Emissionskosten, indem wir sie auf die Produktionsländer abwälzen – Sollen die doch gucken, wie sie ihre Prozesse effizienter machen, wir sind ja nur die Konsumenten.

consumption-emissions

Leider ist jedoch die Chance, dass es innerhalb der derzeitigen politisch-ökonomischen Situation derartige Abwälzungen wieder gerechterweise internalisiert werden ebenso ein Mythos wie das Decoupling:

It is naive to think that internalising them is just a matter of “policy” and can be done without significant political and social change. Latouche (2009, 75) puts it vividly: “a politician who would propose such a programme and implement it when elected would be killed before the week was out”. Some polluters are more likely to recourse to violence than pay for their environmental or social externalities (Martinez-Alier, 2002). Powerful interests will not sit back quietly, accept environmental caps and taxes and adapt to van den Bergh’s “economic restructuring”. On the contrary, they will use their political muscle and benefit from the potential impact on the poor to form cross-class alliances to repeal serious reforms. – G. Kallis

http://www.degrowth.org/wp-content/uploads/2011/08/In-defense-of-degrowth.pdf

Wie gesagt, das ist nur eine Einzelmeinung unter vielen. Aber diese meine Meinung besagt eben: Momentan ist jegliche Politik hinsichtlich Klima und natürliche Ressourcen reine Augenwischerei. Nur verbindliche Verpflichtungen/Paradigmenwechsel für Politik (global gesehen für Staaten eine Reduktion von Emissionen, Korrektur von market failures, Abkehr vom Wachstumsparadigma in der Volkswirtschaft), Wirtschaft (Emissionsbeschränkungen, Emissionshandel, direkte und gebundene Steuern auf Umweltschäden/Ressorucenextraktion, Verhinderung von geplanter Obsoleszenz, alternative Finanzierungsmöglichkeiten zur Umgehung des Wachstumsparadigmas) und Komsumenten (Abkehr vom konsum-kapitalistischen Lebensentwurf, gesündere bzw. “nachhaltigere” Ernährung durch bspw. Reduktion von Fleischkonsum etc.) können tatsächlich etwas verändern.

 

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