Hilfe, die Flüchtlinge kommen!!!

Wer wie ich häufig die Kommentarseiten unter Artikeln oder auch nur Facebook Kommentare liest, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir von islamisierenden, schmarotzenden, ausbeuterischen, faschistischen Horden von Migranten und Flüchtlingen sowie deren rotfaschistischer Helfer der Antifa und Co. geradezu überannt werden. Und dass wir bei der nächsten Bundestagswahl eine Koalition aus NPD, REPs und der Frauke-Petry-AfD als Regierung haben…. und plötzlich taucht der #Merkelstreichelt Vorfall auf und spaltet die Nation. Ist Frau Dr. Merkel kaltherzig? Oder hat sie einfach Recht damit, dass wir eben “nicht alle aufnehmen können”?

In der Tat ist das mit den neuerlicher Flüchtlingsströmen und deren Wahrnehmung in der deutschen Gesellschaft so eine Sache. Zum Einen gibt es da eine kleine Gruppe rechtsradikaler Terroristen, die wieder Flüchtlingsheime brennen sehen wollen, wahrscheinlich nur um genug Hitze zu erzeugen, um Himmler aus der Kryostase aufzutauen und mit Hitlers Reichsflugscheiben nach Neuschwabenland zu fliegen und die Reptiloiden aus der Hohlwelt zu aktivieren…

Zum Andern scheint die Angst und die Ablehnung gegenüber Migranten allgemein und Flüchtlinge (“Wirtschaftsflüchtlinge”) im Besonderen immer größere Teile der Bevölkerung zu umfassen. Das stimmt mich persönlich traurig bis wütend, und generell finde ich, man muss sich mit sowas auseinandersetzen. Dies soll an dieser Stelle geschehen, möglichst strukturiert und klar:

1. Wovor haben die Menschen Angst?

So wie ich das beobachte, gibt es ja verschiedene Phänomene der Migration, die auch unterschiedlich bewertet werden: US Amerikaner mit Aufenthaltsgehemigung und hohem Einkommen = guter Migrant. Griechischer arbeitsloser Jugendlicher = schlechter Migrant, es sei denn er stellt sich an den Gyros Spieß. Mittelloser Flüchtling aus Afrika = schmarotzender Wirtschaftsflüchtling. Kriegsflüchtling aus Syrien o.ä. = islamisierender Terrorist. Und so fort. Die Hauptangst der Leute vor Migration scheint sich gezielt auf bestimmte Gruppen von Flüchtlingen zu beziehen, also hauptsächlich diejenigen aus Afrika bzw. dem “Nahen Osten”. Die häufigsten Äußerungen deutscher Bürger im Netz zusammengefast: Ich bin ja kein Rassist, denn ich fahre in den Urlaub/gehe beim Dönermann essen/ein guter Bekannter meiner Schwester kennt einen Asylanten/…, ABER ich will nicht dass meine Tochter später mit dem Kopftuch zur Schule muss/die meisten wollen sich doch gar nicht integrieren/wer will das alles bezahlen/die werden ja besser behandelt als ein deutscher Rentner oder Arbeitsloser/WIR KÖNNEN JA NICHT JEDEN AUFNEHMEN.

Es gibt also generelle, diffuse Ängste, dass unsere Deutsche Kultur bald übernommen und unsere Wirtschaft bald kaputtgemacht wird von “denen”. Und wie uns schon die Star Wars Saga lehrt: Angst führt zu Hass, und Hass zu unsäglichem Leid (oder so ähnlich, jedenfalls scheint sich der Herr Lucas einiges vom Buddhismus ausgeborgt zu haben) Nun ist es in der Tat so, dass wenn wir 10 Millionen Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen aufnehmen, dass das sowohl kulturell als auch wirtschaftlich nicht besonders gut funktioniert. Es kommen aber gar nicht so viele Menschen nach Deutschland, zumindest nicht auf einmal. Migration ist ein ständiger Prozess (der gerne auch mal die Richtung wechselt, wir Deutschen wandern schließlich auch gerne mal aus, nur vergessen das viele anscheinend), und gibt daher vielen das Gefühl der “schleichenden Unterwanderung” – das macht das Ganze also nicht besser, sondern schlimmer, zumindest in den Augen mancher. Gerade “Flüchtlinge”, die auf den verschiedensten Wegen hierher kommen, scheinen der größte Angstfaktor zu sein, aber auch muslimische Migranten generell. Auch wenn ich persönlich solche Ängste für unbegründet und kurzsichtig halte, erkenne ich dennoch, dass eben viele in Deutschland eben solche Ängste haben. Und das muss man ernst nehmen und sich auseinandersetzen….

2. Was ist zu tun?

Nun  da gibt es mehrere Möglichkeiten: Die Grenzen dicht machen, Boote im Mittelmehr zurückschicken, schnellere Bearbeitung von Asylanträgen, schnellere Abschiebungen vor allem von sog. “Wirtschaftsflüchtlingen” und “Integrationsverweigerern” etc. Also das was im Prinzip von PEGIDA und Co. gefordert wird. Klingt in der Theorie schön und gut, in der Praxis jedoch unmenschlich (Boote mit mehreren hundert Menschen absaufen zu lassen oder die Menschen einfach zurückzuschicken) oder sehr aufwändig (die Bürokratie im Ausländerrecht und vor allem bei Asylanträgen ist unermesslich, mehr Effizienz würde da helfen, doch halt, da muss man erstmal Steuergelder investieren…). All jenen, die so gerne gegen die afrikanischen Wirtschaftsflüchtlinge hetzen, schlage ich stattdessen doch einmal folgendes vor: Hört auf Fleisch zu essen und Handys zu kaufen!

Hö? Wieso das denn?

Ich möchte hier einmal einen Gastdozenten zitieren, der sagte mal “every time you buy a mobile phone, you put an AK-47 in the hand of an African child”. Ja, wir leben in einer globalisierten Welt. Und unsere Handlungen haben auch Auswirkungen anderswo. Wir profitieren nun mal von der Ausbeutung des globalen Südens, sei es bei den günstig hergestellten Klamotten aus Bangladesh, oder bei den seltenen Erden die in unseren Smartphones stecken. Die jahrhundertelange Herrschaft Europas über Afrika haben mit dazu beigetragen, dass es dort in vielen Staaten zu Krieg und Armut kam, und da dürfen wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen! Zusätzlich sind wir, die wir in Deutschland geboren sind, privilegiert: Wir haben fließendes Trinkwasser, Strom, Internet, unsere Arbeitslosigkeit ist nicht bei 40 Prozent, wir haben ein Rentensystem, Arbeitslosengeld, Krankenversicherungen etc. Klar gibt es auch in Deutschland Armut, und es ist sicher nicht schön, in einem reichen Land arm zu sein. Doch wie muss es erst sein, in einem armen Land arm zu sein? Viele Menschen, die so gerne auf die Wirtschaftsflüchtlinge schimpfen, vergessen gerne, aus welchen Verhältnissen solche Menschen kommen und welche Strapazen sie auf sich nehmen, um hier her, ins “gelobte Land” zu kommen. Erst solche Einzelschicksale wie das der kleinen Reem machen das manchen wieder bewusst. Deswegen ist es eigentlich in der Verantwortung von Medien und Politik, dass uns Deutschen immer wieder bewusst zu machen. Leider ist das Gegenteil der Fall, sehr selten wird darüber gesprochen, inwieweit wir eigentlich für das Leid anderer mitverantwortlich sind. Es werden sogar noch eher Ängste geschürt, denn wie wir wissen, ist Angst ja das beste Kapital der Eliten um an der Macht zu bleiben, oder? Divide et impera! 😉

Zu guter Letzt: Es wird immer Migration geben, vor allem dann, wenn es den einen sehr gut und den anderen sehr schlecht geht. Du willst, dass weniger Flüchtlinge kommen? Dann hör auf dir alle drei Monate n neues Handy zu kaufen. Engagiere dich dafür, dass der Lake Chad endlich wieder ausreichend Wasserreserven aufbauen kann. Kauf doch bitte ein ganzes Hühnchen, statt nur das Brustfilet, wenn es denn schon unbedingt Fleisch sein muss. Und akzeptiere, dass es soziale Ungleichgewichte und strukturelle Gewalt auf der Welt auch bestehen, weil es uns in Europa und vor allem Deutschland so gut geht…

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