Gentrifizierung und Mediaspree

Jeden Tag fahre ich mit der S-Bahn am Gelände des ehemaligen Kater Holzig vorbei, wo bald alles abgerissen wird. Luxuswohnungen sollen dort entstehen.

Jedes Mal, wenn ich dort vorbeifahre, denke ich mir: Luxuswohnungen? Schon wieder?

Ich wohne erst seit 2011 in Berlin, und doch hat sich das Stadtbild schon in dieser kurzen Zeit dramatisch verändert. Gerade am Spree Ufer. Konnte man “früher” noch von der Warschauer Brücke aus seinen Blick schweifen lassen in Richtung Alexanderplatz, so bleibt dieser heute hängen an den Baustellen und bereits fertig gestellten Großbüros zwischen Warschauer Brücke und Ostbahnhof. Mercedes beispielsweise hat sich dort ein Prestigeobjekt hinsetzen lassen, Showroom im Erdgeschoss und riesiger, sich drehender Mercedes-Stern auf dem Dach inklusive.

Auch an der Friedrichstraße wird kräftig gebaut. Riesige, eindrucksvolle Bauten (wie z.B. das Grimm-Zentrum oder das Archäologische Zentrum) sind dort entstanden. Jedoch erinnern mich diese leider immer wieder an die Speer Architektur, keine Ahnung wieso. Natürlich wird auch im Regierungsviertel rund ums Kanzleramt dem architektonischen Größenwahn gefrönt. Alles riesige Gebäude aus Stahl und Beton, ergänzt von bis in den Himmel reichenden Glasfronten. Klinisch und kalt. Wer findet das schön?

Währenddessen wird in den In-Vierteln fleißig saniert, renoviert, neu gebaut. Die Mieten, bisher im Vergleich zu Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt eher moderat bis niedrig, schießen in die Höhe. Wer kann sich das leisten?

Fakt ist, Berlin ist eine Einwanderungsstadt. Ich selbst bin zugezogen und muss mich als gebürtiger Badener immer wieder erklären, denn: In Berlin gibt es “Nordschwaben, die unsere Mieten hochtreiben und Südschwaben, die unsere Mieten hochtreiben”. Die Einwanderer, Türken, Vietnamesen, und auf Seiten der Deutschen in den 80ern meist Studenten und Künstler und seit dem Fall der Mauer zunehmend Kreativwirtschaftler und Yuppies, haben die Stadt jedoch auch zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein kultureller Schmelztiegel, eine Kultur- und Partystadt, weltweit beliebt wie nie.

Fakt ist auch, Berlin wird teurer und verliert gleichzeitig seinen Charme. Doch was kann man dagegen tun: Warten, bis entweder

  • Die Künstler und Studenten, die Berlin ja erst hip gemacht haben, sich die Mieten in der Innenstadt nicht mehr leisten können, oder
  • Die Stadt durch die ganzen Neubauten so hässlich und beliebig geworden ist, dass hier keiner mehr wohnen möchte?

Keine wirklich schöne Vorstellung, oder? Die Verantwortlichen, also Bauunternehmen und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, täten gut daran, ihr derzeitiges Tun zu überdenken. Denn die Leidtragenden, also diejenigen, die sich die steigenden Mieten bald nicht mehr leisten können oder wollen, können kaum etwas dagegen tun. Denn auch in Berlin ist der Boden nicht im Besitz aller Menschen, sondern nur im Besitz des Staates oder der Bauelite. Und die scheinen sich bisher wenig Gedanken gemacht zu haben, oder sind von Profitgier getrieben.

Solange das so bleibt, sehe ich schwarz (oder eher grau) für die Zukunft der Stadt.

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