Arbeitskampf in Kambodscha

Ein interessanter Artikel der Boell Stiftung zum aktuellen Arbeitskampf in Kambodscha:

http://www.boell.de/de/2014/01/06/arbeitskampf-kambodscha-eskaliert

Die Arbeiter in der Textilindustrie, der wohl wichtigste Industriezweig im Land, fordern einen gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet 115 Euro statt der bisherigen 60 Euro.

Nun die Frage: Was juckt es uns, wenn in China bzw. Kambodscha ein Sack Reis umfällt?

Einiges! Wer sich mal in seinem Kleiderschrank umsieht und auf die Labels innen guckt, wird feststellen, dass ein Großteil der Kleidungsstücke aus der Türkei, aus Bangladesch und eben aus Kambodscha kommt. Großkonzerne wie H&M lassen in diesen Ländern produzieren.

Klar ist, 115 Euro sind auch in Kambodscha nicht viel Geld für eine 60 bis 80 Stunden-Woche, und 60 Euro sind noch viel weniger. Die Menschen in Kambodscha sind größtenteils arm und haben oft keine andere Wahl, als einen solchen “Job” anzunehmen.

Wer ist aber schuld an der Armut und der Ausbeutung im Land? Ist es die Regierung, die sich erpressen/bestechen lässt anstatt den gesetzlichen Mindestlohn anzuheben? Sind es die örtlichen Textilfabrikanten, die ihre Arbeiter ausbeuten? Oder doch die weltweit agierenden Großkonzerne, die von der Ausbeutung der Arbeiter profitieren und ihre Hände in Unschuld waschen? Kampagnen wie diese

http://about.hm.com/de/About/Sustainability/Commitments/Responsible-Partners/fair-living-wage.html

wirken angesichts der aktuellen Lage in Kambodscha wie ein schlechter Witz. Ist “das System” schuld? Oder sind es nicht wir, wir “Europäer”, die möglichst viel Mode zu möglichst geringen Preisen kaufen wollen?

Letztendlich ist es eine Mischung aus allem: Ausbeutung, Profitgier in einem kapitalistischen System (“Gewinnmaximierung” ist das Zauberwort) und eine Geiz-ist-geil-Mentalität auf Seiten der Verbraucher sorgen dafür, dass viele Menschen in vielen Ländern unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, um zu überleben.

Fakt ist: In einer freien Wirtschaft in dem das System von Angebot und Nachfrage besteht, müssen die Verbraucher anfangen. Boykottieren. Weniger kaufen. Denn erst wenn Großkonzerne Umsatzeinbußen haben, werden sie (freiwillig) etwas verändern. Das bedeutet aber leider auch, dass ich mir in der nächsten Zeit keine günstigen Klamotten mehr kaufen kann. Und das als armer Student!

Naja, dann schalte ich eben meinen Flachbild-TV ein und lasse mich von ProSieben ablenken.

Advertisements
Standard

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s